Ich entscheide mich bewusst dagegen, Filme von mir ins Netz zu stellen, auch wenn digitale Plattformen und Algorithmen diese Form der Sichtbarkeit belohnen. Diese Entscheidung beruht nicht auf meiner persönlichen Zurückhaltung, sondern auf grundlegenden Mechanismen, die in therapeutischen Beziehungen wirksam sind.
Therapeutische Arbeit lebt von einer klaren Rollenverteilung: Der Klient steht im Mittelpunkt, der Therapeut stellt einen geschützten, möglichst neutralen Resonanz- und Arbeitsraum zur Verfügung. Aufmerksamkeit ist dabei kein abstraktes Konzept, sondern eine begrenzte psychische Ressource. Sie beeinflusst, woran sich Menschen orientieren, worauf sie reagieren und wessen Bedürfnisse sie – oft unbewusst – mitregulieren.
Sobald der Therapeut sich öffentlich stark personalisiert darstellt, entsteht ein bekanntes Spannungsfeld: Der Klient bringt nicht mehr nur seine eigenen Themen in den Raum, sondern reagiert zusätzlich auf das Bild, die Wirkung und die wahrgenommene Persönlichkeit des Therapeuten. Das kann Loyalität, Anpassung, Rücksichtnahme oder den Impuls auslösen, Erwartungen erfüllen zu wollen. Die therapeutische Aufmerksamkeit verschiebt sich damit von innen nach außen.
Diese Verschiebung geschieht nicht absichtlich, sondern automatisch. Menschen sind soziale Wesen und reagieren auf sichtbare Autoritäten, auf Anerkennung, Status und öffentliche Resonanz. Je stärker der Therapeut selbst zur Figur wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Klient unbewusst Energie darauf verwendet, sich zu positionieren, zu gefallen oder zu schonen – anstatt sich frei und kompromisslos auf den eigenen Prozess einzulassen.
Aus diesem Grund möchte ich klar zwischen Information und Selbstdarstellung unterscheiden. Nach außen kommuniziere ich Arbeitsweise, Haltung und Rahmenbedingungen. Ich mache Angebote sichtbar, nicht mich selbst. So bleibt die therapeutische Beziehung ein Raum, in dem die Aufmerksamkeit konsequent beim Klienten liegt und nicht durch externe Bilder, Erwartungen oder Rollenverzerrungen gebunden wird.