Auch ohne das unmittelbare emotionale Echo lassen sich Handlungen nach Sinn ausrichten. Das Nervensystem ist nicht zwingend auf positive Rückmeldungen angewiesen, um Motivation aufrechtzuerhalten; Wertebasierte Orientierung kann als stabiler Kompass dienen. Dopaminerge Belohnungssignale erzeugen normalerweise Anziehung und Lust, aber ihr Fehlen blockiert nicht die Fähigkeit zu Zielgerichtetheit oder kohärentem Handeln. Sinn kann unabhängig von momentaner Freude wirken, Entscheidungen leiten und Verhalten stabilisieren.
Auf diese Weise entstehen tragfähige Muster, die nicht von flüchtigen Gefühlen abhängen, sondern von klaren Richtlinien, innerer Übereinstimmung und der Ausrichtung auf das, was als bedeutsam erkannt wird. Die Abwesenheit von glücklichen Gefühlen muss nicht die Wirksamkeit von Handeln reduzieren – sie verändert lediglich die Quelle der Motivation.
Es kann entlastend sein, nicht glücklich sein zu müssen. Trotzdem bleibt oft ein Hauch von Sehnsucht nach diesem Zustand - der, ob fühlbar oder nicht, in unserem Belohnungssystem angelegt ist. In der therapeutischen Fotografie kann die Seele dieser Sehnsucht ohne Veränderungsdruck und -absicht Raum geben.